Routinen gegen das Chaos


Als Studentin und Single hatte ich so eine ganz bestimmt Sehschwäche wenn ich meine Bude betrat. Ich konnte hervorragend über alles hinwegsehen. Weder Geschirr, Gläser und Töpfe in der Spüle fielen mir auf, noch sah ich mein angemachtes Bett oder den von Klamotten überquellenden Sessel daneben. Im Schlafzimmer stand ein halb abgeräumtes Wäschereckchen, auf dem Wohnzimmertisch die Reste vom Abendessen, neben leeren Gläsern, einer armseligen Kerze und fünf Büchern und auf dem Esstisch lag sowieso immer irgendwas rum. Vorzugsweise die Post der letzten drei Wochen, Zettel aller Art, Kaffeetassen und überhaupt alles was man mal eben so abstellen kann.

Wie gesagt, ich konnte lange darüber hinwegsehen, denn ich wohnte alleine und kam Besuch, war das nicht schlimm, dann machte ich die Schlafzimmertür zu und räumte schnell das Schlimmste zur Seite. Bei meinen Freunden sah es auch nicht besser aus.

Das ganze hatte nur einen Haken. Irgendwann wurde es selbst meinem schlampigen Gemüt zuviel. Dann half kein Ablenkungsmanöver mehr. Es musste aufgeräumt und geputzt werden.

Das Dumme war nur, war die Wohnung erstmal in einem derart schlechtem Zustand dauerte das Aufräumen und Putzen eine ganze Weile. Das konnte ich nicht so nebenbei erledigen. Zumal dann auch dringend die Betten bezogen und die Wäsche gewaschen werden musste. Dafür ging dann schonmal ein ganzer Samstag Vormittag drauf. Das war anstrengend, ärgerlich und lästig. Dabei könnte das Leben so einfach sein.

Hier ein paar Routinen, die man sich angewöhnen kann (hat bei mir auch ein Weilchen gedauert) und die dich vor einem Messi-Haushalt bewahren:

  • Wie schon meine Oma sagte: „Kein Gang ohne Sinn.“ Wenn du aus dem Wohnzimmer in Richtung Küche gehst, kannst du ja schonmal das Geschirr mitnehmen, das in die Küche gehört. Ist ja kein Aufwand. Man muss ich nur nach vorne beugen, den abgegessenen Teller in die Hand nehmen und in die Küche tragen, wenn man eh auf dem Weg ist. Kein zusätzlicher zeitlicher Aufwand.

  • Täglich 10 Minuten räumen. Entweder gleich morgens, bevor man das Haus verläßt, oder mit seiner Arbeit zu Hause beginnt. Oder, wenn man ein arger Morgenmuffel ist, abends vor dem Abendessen, vor dem zu Bett gehen, oder an einem anderen festen Zeitpunkt. Der feste Zeitpunkt ist wichtig. Timer stellen und los. Ihr glaubt nicht, was ihr in 10 Minuten alles verräumt bekommt. Es ist erstaunlich.

  • Feste Termine für Haushaltsdinge:

  • Montag morgen Waschmaschine anstellen und abends aufhängen

  • Dienstag morgen Staubsaugen

  • Mittwoch einkaufen

  • Donnerstags den Klamottenberg neben dem Bett wegräumen und die trockene Wäsche falten

  • Jeden 1. des Monats Betten beziehen usw.

  • Am besten man trägt sich diese Aktionen gleich in den Kalender ein. Klamotten in die Maschine stopfen dauert höchstens fünf Minuten. Fünf Minuten die einem nirgendwo fehlen. So ist es mit den meisten Sachen. Schlimm wird es erst, wenn man für den Haushalt mehrere Stunden am Stück aufbringen muss.

Also: Lieber täglich hier und da ein paar Minuten in die lästige Hausarbeit investieren, als alle zwei Wochen im Dreck ersticken.

Meine selektive Wahrnehmung hat dann auch mit der Zeit abgenommen. Plötzlich fielen mir Sachen auf, die ich stehengelassen hatte. Und eines fiel mir besonders auf. Wie schön es ist, in eine ordentliche Wohnung zu kommen und sich nicht schämen zu müssen, wenn spontan Besuch vorbei kommt.


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