Sachen mit Seele


Manches muss bleiben. Diesen kleinen Boxer aus Porzellan bekam meine Mutter vor über fünfzig Jahren von ihrer besten Freundin Ruth geschenkt. Ruth liebte diese Hunderasse über alles und züchtete sie auch selber. Meine Mutter liebte Ruth und freute sich sehr über dieses Geschenk.

Kitch in Glasvitrinen gab es in unserer Wohnung genauso wenig wie unsinnige Urlaubssouveniers. Meine Mutter mochte es schlicht und übersichtlich. Doch diese kleine Hundefigur stand, solange ich denken kann, in unserem Wohnzimmerschrank. Und weil ich meine Mutter liebte, steht sie nun auf einem Spitzendeckchen, auf meiner Kommode.

Auch das Spitzendeckchen hat eine Geschichte, denn es stammt von meiner Tante Anna. Sie war eine stattliche Frau mit drei großen Leidenschaften. Gutes Essen, ihr riesiger Nutzgarten und das häkeln von filigranen Spitzendecken. Nicht nur solche kleinen wie auf dem Foto. Sie häkelt auch schonmal über ein halbes Jahr an einer Decke für eine zehnköpfige Kaffeetafel. Solche Kunstwerke wären heute unbezahlbar.

Die Kommode steht in meinem Schlafzimmer. Nicht jeden Morgen fallen mir die beiden Gegenstände ins Auge, aber immer wenn sie mir ins Auge fallen, denke ich an meine Mutter und an meine Tante. Beide verband, dass man sie selten ohne eine Handarbeit auf dem Schoß antraf.

Ich bin nicht immer mit Frau Kondo einer Meinung, aber in diesem Punkt stimme ich ihr voll und ganz zu. Es gibt Dinge die einen wirklich glücklich machen und die sollten nie ihren Platz in unserem Haus verlieren.


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